Nr. 811 Der Gesandte in Bukarest an das Auswärtige Amt, 4. August 1914

From World War I Document Archive
Revision as of 19:37, 17 August 2015 by Woodz2 (talk | contribs) (Created page with " WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 4 > '''Nr. 811.'''<hr> <center>Nr. 811</cente...")

(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to: navigation, search
WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 4 > Nr. 811.
Nr. 811
Der Gesandte in Bukarest an das Auswärtige Amt1

Telegramm 63                          Sinaia, den 4. August2 3
Streng geheim!

     Herr Bratianu hat meinem österreichischen Kollegen und mir
das Resultat des Kronrats wie folgt mitgeteilt:





Die Verbündeten
fallen schon vor
dem Krieg von uns
ab wie die faulen
Äpfel !
Ein totaler Nieder-
bruch der Ausw.
Deutschen bezw.
auch Österreich,
Diplomatie. Das
hätte vermieden
werden müssen
und können.
          W.

     »Nach einem warmen Appell des Königs, den
Vertrag ins Leben zu setzen, hat der Kronrat mit
allen gegen eine Stimme erklärt, keine Partei könne
die Verantwortung dieser Aktion übernehmen. Der
Kronrat hat beschlossen, daß, nachdem Rumänien
von der österreichisch -ungarischen Demarche in
Belgrad weder avertiert noch darüber befragt
worden sei, der casus foederis nicht bestände. Der
Kronrat beschloß weiter, daß miütärische Vor-
kehrungen zur Sicherung der Grenzen unternommen
werden, worin ein Vorteil für die österreichisch-
ungarische Monarchie bestände, da ihre Grenzen
auf mehrere hundert Meilen dadurch gedeckt würden.
Nach dem Kronrat tagte das Ministerium allein
weiter und beschloß, um seinem Weißbuch4 einen
rascheren Effekt zu sichern, auf den Standpunkt
des Bukarester Friedens zu verzichten und eine
bulgarische Intervention in Serbien zuzulassen ; eine
Maßregel, die es Österreich - Ungarn ermöglichen
würde, sofort mehrere Armeekorps in gleicher Zahl,
wie sie Rumänien an den Pruth senden könnte,
von dem serbischen Kriegsschauplatz zurückzu-
ziehen. Nebenbei wäre dies die einzige Art, mit
Bulgarien sicher zu gehen, wo der russische Einfluß
sonst keine Sicherheit gestatte. Wohlverstanden
gelte dies alles dann, wenn diese Haltung Rumäniens
von den beiden Kaiserreichen als den freundschaft-
liclien Beziehungen entsprechend betrachtet würde5.
Mehr von dem ritterlichen Gefühl des Königs zu
verlangen, hieße die Grenzen der Möglichkeit über-
schreiten.« 

     Ministerpräsident hat hinzugefügt, er habe bereits eine Verstärkung
der Truppenbestände angeordnet, der demnächst6 allmähhch die all-
gemeine Mobilisierung folgen werde.
     Zu veröffentlichen beabsichtigt Bratianu nur eine kurze Notiz
über die zur Sicherung der Grenzen zu ergreifenden militärischen Maß-
regeln. Um die Lage für uns nicht noch ungünstiger zu gestalten,
rate keinenfalls Vertrag veröffentlichen. Vielleicht läßt sich in
einem späteren Stadl imi des Krieges noch ein Vorgehen Rumäniens
gegen Rußland ermöglichen7.

                                                                      W a l d t h a u s e n


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Sinaia 350 vorm., angekommen im Auswärtigen Amt
1052 vorm. Eingangsvermerk: 4. August nachm. Entzifferung am 4. August
an den Kaiser gesandt, am gleichen Tage ins Amt zurückgelangt. Tele-
gramm wurde am 5. August dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiral-
stab und Reichsmarineamt mitgeteilt.
3 Siehe Nr. 699.
4 In einem Durchschlag der Entzifferung sind die Worte »seinem Weiß-
buch« durch Bergen sinngemäß ersetzt durch »seiner Aktion«.
5 Siehe Nr. 847 und 864.
6 Nach Telegramm des deutschen Geschäftsträgers aus Sinaia vom 4. August
(aufgegeben 63 nachm., eingetroffen im Auswärtigen Amt 1010 nachm.,
Eingangsvermerk: 4. August) ist das Wort »demnächst« zu streichen.
Siehe die im ersten Teil fast wörtlich übereinstimmende Nr. 841.