Difference between revisions of "Nr. 92. Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt, 20. Juli 1914"

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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bei meinem heutigen Besuch entnahm ich den Äußerungen Sir <br>
 
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E. Greys, daß er den österreichisch-serbischen Zwist vorläufig noch <br>
 
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optimistisch beurteilt und an eine friedliche Lösung der Frage glaube. <br>
 
Er sagte, er habe keine Nachrichten erhalten, die auf das Gegenteil <br>
 
Er sagte, er habe keine Nachrichten erhalten, die auf das Gegenteil <br>
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sehen, Genugtuung von Serbien zu verlangen und Bürgschaft für die <br>
 
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Zukunft, und daß ich hoffte, es werde dem Einfluß Rußlands und <br>
Englands gehngen, Serbien zur Erfüllung dieser berechtigten Forde- <br>
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Englands gelingen, Serbien zur Erfüllung dieser berechtigten Forde- <br>
 
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rungen zu veranlassen. Er entgegnete, daß alles darauf ankomme, <br>
 
welche Form von Genugtuung verlangt werde, und ob dies mit <br>
 
welche Form von Genugtuung verlangt werde, und ob dies mit <br>
Mäßigung geschehe, namenthch aber auch, ob die gegen Serbien er- <br>
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Mäßigung geschehe, namentlich aber auch, ob die gegen Serbien er- <br>
 
hobenen Klagen auf beweiskräftiger Grundlage geltend gemacht wür- <br>
 
hobenen Klagen auf beweiskräftiger Grundlage geltend gemacht wür- <br>
 
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den. Auf diese Weise hoffe er, daß der Streit sich werde beilegen <br>
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Minister hat übrigens in Wien erklären lassen, daß der <br>
 
neuliche Artikel der »Westminster Gazettea, über den ich berichtet <br>
 
neuliche Artikel der »Westminster Gazettea, über den ich berichtet <br>

Revision as of 18:29, 15 May 2015

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 92.
Nr. 92
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt1

Telegramm 143                          London, den 20. Juli 19142

     Bei meinem heutigen Besuch entnahm ich den Äußerungen Sir
E. Greys, daß er den österreichisch-serbischen Zwist vorläufig noch
optimistisch beurteilt und an eine friedliche Lösung der Frage glaube.
Er sagte, er habe keine Nachrichten erhalten, die auf das Gegenteil
hindeuteten. Ich wiederholte bei dieser Gelegenheit, daß ich über-
zeugt sei, Graf Berchtold werde nach genauer Untersuchung aller
Vorgänge und an der Hand überzeugenden Materials sich genötigt
sehen, Genugtuung von Serbien zu verlangen und Bürgschaft für die
Zukunft, und daß ich hoffte, es werde dem Einfluß Rußlands und
Englands gelingen, Serbien zur Erfüllung dieser berechtigten Forde-
rungen zu veranlassen. Er entgegnete, daß alles darauf ankomme,
welche Form von Genugtuung verlangt werde, und ob dies mit
Mäßigung geschehe, namentlich aber auch, ob die gegen Serbien er-
hobenen Klagen auf beweiskräftiger Grundlage geltend gemacht wür-
den. Auf diese Weise hoffe er, daß der Streit sich werde beilegen
und begrenzen lassen, denn der Gedanke an einen Krieg zwischen
europäischen Großmächten müsse unter allen Umständen zurück-
gewiesen werden.
     Der Minister hat übrigens in Wien erklären lassen, daß der
neuliche Artikel der »Westminster Gazettea, über den ich berichtet
habe, nicht von ihm veranlaßt worden sei, da er in Erfahrung ge-
bracht, daß man ihn dort als Ermutigung z\mi Losschlagen auffasse.

                                                                 L i c h n o w s k y


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in London 20. Juli 8^ nachm., angekommen im Auswärtigen
Amt 10^ nachm. Eingangsvermerk: 21. Juli vorm. Am 21. Juli tele-
graphisch dem Kaiser mitgeteilt, Telegramm aufgegeben in Berlin 12**
nachm., angekommen in Balholm 7^' nachm., Entzifferung am gleichen
Tage vom Kaiser zurückgegeben. Inhalt durch Erlaß vom 21. Juli nachm.
auch den Botschaftern in Wien und Rom mitgeteilt.